Publikation
13.07.26
Kurzexpertise erschienen: Früh anfangen, besser ankommen - Phase 0 in der Stadtentwicklung

In Kleinstädten nimmt die Vorbereitungsphase, auch als Phase 0 bezeichnet, eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung komplexerer Stadtentwicklungsprozesse ein. Während diese in der Praxis oftmals zunächst informell und intuitiv abläuft, werden hier bereits entscheidende Bündnisse geschlossen und inhaltliche Weichen gestellt. Eine neue Kurzexpertise der Kleinstadt Akademie gibt Empfehlungen, wie Kleinstädte diese wichtige Phase optimal gestalten.

Kleinstadtentwicklung durch Projekte

Anhand konkreter Prozessbeispiele aus Hohenwestedt, Gudensberg, Itzehoe und Ladenburg zeigt die Kurzexpertise unterschiedliche Herangehensweisen an die Phase 0 in Kleinstädten auf und leitet zentrale Handlungsempfehlungen für die Planungspraxis ab. Da eine strukturierte Vorbereitungsphase einen hohen Ressourcenbedarf sowie einen enormen kommunikativen Aufwand erfordert, wird ihr Mehrwert häufig unterschätzt. Gleichzeitig weisen Kleinstädte durch ihre engen sozialen Netzwerke und die Schlüsselfunktion des Bürgermeisters/ der Bürgermeisterin im Gegensatz zu großstädtischen Strukturen ein deutlich höheres Handlungspotenzial auf.

Zwischen Steuerung und Offenheit für Neues

Gerade zu Beginn einer Entwicklung sind Projektideen oft sehr sensibel und schutzbedürftig. Gerade die Platzierung neuer Ideen bedarf daher in der Regel einer guten Kommunikationsstrategie, günstigen Gelegenheiten und einem passenden Timing, um Interessenkonflikte bedacht lösen zu können. Auf dieser Basis bietet sich für Kleinstädte die Chance, Akteure mit einer klaren Grundidee einzubinden und so gezielt auch einen Raum für Mut und Experimentierfreude zu öffnen, um lokale Eigendynamiken nutzbar zu machen.

Externe Akteure – ihre Funktionen und ihr Wert

Eine wichtige Funktion kommt darüber hinaus externen Akteuren zu, welche Vertrauensbarrieren gegenüber der kommunalen Verwaltung sowie eine Doppelrolle des Bürgermeisters/ der Bürgermeisterin überwinden können. Ihnen kommen dabei unterschiedliche Rollen von der Prozesssteuerung über die rechtliche Begleitung bis hin zur Einspeisung innovativer Ideen zu. Hierbei ist kein dauerhaftes Auftragsverhältnis erforderlich – die Einbindung kann auch über Beiratsfunktionen, anlassbezogene Beratungen oder die Mitwirkung an einzelnen Formaten erfolgen.

Und immer wieder: Die Bedeutung des Bürgermeisters/ der Bürgermeisterin

Die zentrale Rolle, die der Bürgermeister gerade in Kleinstädten spielt, ist bekannt. Es ist Aufgabe des Bürgermeisters, mögliche Konflikte zu antizipieren und Interessen auszubalancieren. Er muss zugleich in alle Richtungen kommunizieren, Vertrauen aufbauen, darf aber keineswegs immer alles sagen. Eine hoch-komplexe Aufgabe, die viel Fingerspitzengefühl und Kommunikationsgeschick erfordert, die aber auch durch geeignete Unterstützung und Absicherung – etwa durch geeignete Phase 0-Formate – erleichtert werden kann.

Die Beschäftigung mit der „Phase 0“ hat gezeigt, dass es die eine Phase 0 im Sinne eines standardisierten Formates nicht gibt. Es finden sich unter dieser Überschrift zum Beispiel formelle wie informelle Aushandlungsprozesse, einmalige Abstimmungen zu Beginn eines Projektes, aber auch mehrmalige Reflexions- und Feinjustierungsrunden, sowie ganz unterschiedliche Zusammensetzungen der beteiligten internen wie externen Akteure. Die konkrete Umsetzung einer Phase 0 erfordert – und das ist sicher die zentrale Botschaft – den Mut und das Geschick der verantwortlichen Akteure, die jeweilige Projektentwicklung individuell zu bewerten und ein passgenaues Vorgehen zu entwickeln. In diesem Sinne lässt sich vom Blick auf „Phase 0-Formate“ in anderen Kommunen viel lernen – verallgemeinern lässt sich allerdings nur die Sinnhaftigkeit der bewussten Gestaltung dieser Phasen, nicht ihr Ablauf.

Die Kurzexpertise entstand in Zusammenarbeit mit der BIG Städtebau GmbH und steht ab sofort zum Download bereit.

Hier können Sie die Kurzexpertise als PDF downloaden.

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