Münnerstadt, 28.01.2026: Was können andere Kleinstädte in Deutschland von Münnerstadt, Ebern, Dießen am Ammersee und Gudensberg lernen, um leerstehende Bestandsimmobilien umzunutzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung der bundesweiten Kleinstadt Akademie, zu der Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Städte nach Münnerstadt gekommen waren.
Am Mittwoch empfing Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl Amtskolleginnen und ‑kollegen aus anderen Kleinstädten, um Einblicke in die Planung aktueller und zukünftiger Nutzungskonzepte für das ehemalige Berufsbildungszentrum (BBZ) auf dem Karlsberg zu geben. In dem Gebäude sind derzeit die Montessori-Schule und ein Schülerhort als Zwischennutzer untergebracht. Ein gutes Modell, um das Leerstehen des Objekts zu verhindern und Synergien zu schaffen, wie auch die anwesenden Gäste befanden. Ziel ist es, eine langfristige Nutzung des Gebäudes zu ermöglichen. „Das BBZ muss stehen bleiben. Wir wollen seine graue Energie nutzen und zeigen, dass Bestand weiterentwickelt werden kann“, betonte Kastl während der Führung über den Karlsberg und durch das Gebäude.
Auch andere Städte präsentierten Herangehensweisen, mit denen sie Bestandsgebäude erhalten und einer neuen Nutzung zuführen wollen oder das bereits erfolgreich konnten. Die Gemeinde Dießen am Ammersee hat eine Ideenwerkstatt zur Nachnutzung einer ehemaligen Druckerei durchgeführt. Davon berichtete die Bauingenieurin und Projektentwicklerin Anni Sander, deren Bürgerinitiative sich mit einem Konzept daran beteiligt hatte und dieses nun gemeinsam mit der Stadt umsetzt. Sina Massow, Bürgermeisterin der Stadt Gudensberg in Hessen sprach über den bereits abgeschlossenen Umbau eines Supermarkts aus den 80er-Jahren zu einem Begegnungszentrum. Jürgen Hennemann, Bürgermeister der Stadt Ebern stellte die Umwandlung der Balthasar-Neumann-Kaserne zu einem Gewerbepark mit 40 Unternehmen vor.
So unterschiedlich die Projekte auch sind: Einig waren sich die Teilnehmenden über die Bedeutung, die ein transparenter Prozess, sichtbare Meilensteine und die Kommunikation selbst kleiner Zwischenerfolge haben. „Die Menschen wollen sich nicht jahrelang beteiligen, ohne dass sie das Gefühl haben, dass etwas gemacht wird!“, so Eberns Bürgermeister Hennemann. Dafür sind auch Finanzierungsmöglichkeiten ausschlaggebend. Thomas Harant (Leiter der Projektgruppe Landstadt Bestand im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr) sieht schon kleinere Fördersummen als „Startkapital“, um die konzeptionelle Auseinandersetzung mit städtebaulichen Herausforderungen zu ermöglichen. Immobilienentwickler Oliver Imlauf rief zu einem engen Miteinander auf. Gerade in einem schwierigen Marktumfeld müssten Kommunen, gemeinwohlorientierte Projektentwickler und Private neue Wege der Zusammenarbeit finden. Eine Schlüsselrolle – das ging aus praktisch allen Beispielen hervor – kommt dabei dem Stadtoberhaupt zu, das durch persönliche Mitwirkung und Kommunikation die Wichtigkeit eines solchen Projektes untermauert. Die Empfehlung der anwesenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister: In jedem Fall sei es besser, auch komplexe Projekte zu starten, statt nichts zu tun. Wenn Kommunen die Chance bekommen, stadtbildprägende, aber leerstehende Objekte zu erwerben, sollten sie diese nutzen.
Siw Foge, Leiterin der Kleinstadt Akademie, verwies zum Abschluss auf die besonderen Stärken kleiner Städte, in denen kurze Wege eine pragmatische Lösungsfindung begünstigen: „Gerade weil man sich hier in unterschiedlichen Rollen, im Verein, im Stadtrat, bei der Bank und in der Feuerwehr begegnet, ist der erste Schritt für die Entwicklung gemeinsamer Lösungen schnell gemacht.“
Die Veranstaltung war Teil einer bundesweiten Reihe der Kleinstadt Akademie mit Sitz im brandenburgischen Wittenberge. Die 2024 durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ins Leben gerufene Kleinstadt Akademie ist die erste bundesweite Schnittstelle der mehr als 2.100 Kleinstädte in Deutschland. Sie möchte unter anderem dazu beitragen, dass Kleinstädte Wissen und Erfahrungen besser miteinander teilen können, sodass sie von guten Ideen und praktikablen Lösungen aus anderen Städten in Deutschland profitieren.
Kleinstadt Akademie
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Am 21. Januar 2026 haben wir im Rahmen des 19. Zukunftsforums Ländliche Entwicklung gemeinsam mit der Technischen Hochschule Lübeck unser Fachforum zum Thema „Einfamilienhaus forever? Oder doch neue Wege im kleinstädtischen Wohnen?” veranstaltet. Im Video-Mitschnitt des Fachforums können Sie jetzt alle spannenden Beiträge und Praxisbeispiele ganz einfach nachschauen.
Hessische Kommunen können aktuell auf ein Unterstützungsangebot des Landes zurückgreifen, um personelle Engpässe in Kämmerei und Bauamt abzufedern. Im Rahmen des Programms KommUnity stellt das Land für einen befristeten Zeitraum qualifizierte Mitarbeitende u. a. aus dem Finanzministerium und dem Landesbetrieb Bau zur Mitarbeit in kommunalen Verwaltungen zur Verfügung.
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