Zwönitz, 27.08.2026: Wie können Kleinstädte attraktive Mobilitätsangebote schaffen? Welche Rolle können On-Demand-Verkehr, Car-Sharing und Bike-Sharing spielen? Und was braucht es, damit solche Angebote auch langfristig funktionieren? Antworten auf diese Fragen suchten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Städte aus ganz Deutschland bei einer digitalen Veranstaltung der Kleinstadt Akademie.
Aus dem Buntspeicher in Zwönitz präsentierte Dr. Martin Benedict, Chief Digital Officer und Leiter Smart City der Stadt Zwönitz, die Erfahrungen der Stadt mit dem On-Demand-Stadtbus ERZmobil und diskutierte diese gemeinsam mit weiteren Praxisbeispielen aus Homberg (Efze) und der Prignitz.
Zwönitz stellte dabei vor, wie es gelungen ist, mit dem ERZmobil eine bedarfsgerechte Alternative zur nicht vorhandenen Stadtbuslinie aufzubauen und das Angebot gleichzeitig in den öffentlichen Nahverkehr des Erzgebirgskreises zu integrieren. Das ERZmobil kann zum regulären Nahverkehrstarif genutzt werden und steht damit beispielsweise auch Inhaberinnen und Inhabern von Schülerfahrkarten offen. Lediglich ein Euro Komfortzuschlag wird zusätzlich erhoben. Mehr als vier Jahre und 100.000 km nach dem Start hat sich das Angebot als fester Bestandteil der Mobilität in der Stadt etabliert.
Neben Zwönitz präsentierten auch weitere Kleinstädte Praxisbeispiele für smarte Mobilitätslösungen. Nico Ritz, Bürgermeister der hessischen Stadt Homberg (Efze) stellte das dortige pulsierende Car-Sharing vor, das gemeinsam mit einem privaten Anbieter aufgebaut wurde. Die Stadt selbst nutzt die Fahrzeuge für Dienstfahrten und übernimmt damit von Beginn an die Rolle eines verlässlichen Ankernutzers. Außerhalb der Verwaltungszeiten stehen die Fahrzeuge Bürgerinnen und Bürgern sowie weiteren Nutzergruppen zur Verfügung. Ergänzt wird das Modell dadurch, dass auch Unternehmen oder Privatpersonen eigene Fahrzeuge in die Sharing-Flotte einbringen können. Ritz hob hervor, dass insbesondere im ländlichen Raum verlässliche Ankernutzer eine entscheidende Voraussetzung für wirtschaftlich tragfähige Sharing-Angebote sind.
Christian Rose berichtete darüber hinaus, wie es dem Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz gelungen ist, Bike-Sharing nach Wittenberge und Perleberg zu bringen. Nachdem sich zunächst kein Anbieter für die beiden Kleinstädte fand, überzeugte das TGZ Prignitz eigenständig einen Betreiber und übernahm vor Ort Organisation und Betrieb. Mit kreativen Marketingideen – etwa Fahrradpatenschaften oder öffentlichkeitswirksamen Suchaktionen für verschwundene Räder – entwickelte sich das Angebot zu einem Erfolg und konnte später sogar auf weitere Städte ausgeweitet werden. Gleichzeitig zeigte das Beispiel aber auch, dass insbesondere Wartung, Reparaturen und der laufende Betrieb in Kleinstädten besondere organisatorische Herausforderungen mit sich bringen.
Siw Foge, Leiterin der Kleinstadt Akademie, hob hervor, dass erfolgreiche Mobilitätsangebote in Kleinstädten häufig dort entstehen, wo Kommunen bereit sind, neue Wege zu gehen: „Die Beispiele aus Zwönitz, Homberg und der Prignitz zeigen, dass gute Mobilitätslösungen nicht einfach aus Großstädten übernommen werden können. Erfolgreich sind vielmehr Angebote, die an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden und bei denen Kommunen bereit sind, gemeinsam mit Partnern Verantwortung zu übernehmen und neue Modelle auszuprobieren.“
Die Veranstaltung war eine gemeinsame Ausgabe der Reihen „Kleinstadt Akademie auf Tour“ und „Kleinstadt Web-Talks“ gemeinsam mit dem vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. Die 2024 durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ins Leben gerufene Kleinstadt Akademie mit Sitz im brandenburgischen Wittenberge ist die erste bundesweite Schnittstelle der mehr als 2.100 Kleinstädte in Deutschland. Sie möchte unter anderem dazu beitragen, dass Kleinstädte Wissen und Erfahrungen besser miteinander teilen können, sodass sie von guten Ideen und praktikablen Lösungen aus anderen Städten in Deutschland profitieren.
Wie erleben junge Bürgermeisterinnen und Bürgermeister derzeit die Situation in ihren Kommunen – und was braucht es aus ihrer Sicht, damit Städte und Gemeinden auch künftig handlungsfähig bleiben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein neues Positionspapier des Netzwerks Junge Bürgermeister*innen.
Wie können sich Kleinstädte in tiefgreifenden wirtschaftlichen Transformationsprozessen langfristig zukunftsfähig aufstellen? Einen interessanten Einblick gibt der Beitrag „Damit es unser Revier bleibt“ in der aktuellen Ausgabe des Magazins Stadt:pilot. Er führt nach Lübbenau/Spreewald und zeigt, wie die Kleinstadt in der Lausitz den Strukturwandel vor Ort mit aktiver Stadtentwicklung gestaltet.
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