Bericht
15.09.26
Rückblick: Fachforum „Zwischen Leerstand und Ballungsdruck – Herausforderungen und Strategien für kleinstädtisches Wohnen“

Wie können Kleinstädte auf die unterschiedlichen Herausforderungen auf ihren Wohnungsmärkten reagieren? Darüber diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Wissenschaft und Politik auf dem 19. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik in Köln. Beim Fachforum „Zwischen Leerstand und Ballungsdruck - Herausforderungen und Strategien für kleinstädtisches Wohnen“ - gemeinsam veranstaltet von der Kleinstadt Akademie, dem ARL-Arbeitskreis „Wohnen in Kleinstädten“ und der FS INGE.

Im Mittelpunkt stehen die unterschiedlichen Ausgangslagen von Kleinstädten: Während einige Kommunen mit Leerstand und Rückbau konfrontiert sind, stehen andere unter Wachstums-, Preis- und Flächendruck im Umland großer Städte. Anhand von Praxisbeispielen werden konkrete Lösungsansätze vorgestellt. Darüber hinaus werden Strategien und Instrumente für bezahlbaren Wohnraum, strukturelle Engpässe sowie Unterstützungsbedarfe gegenüber Bund und Ländern diskutiert.

Das Fachforum beginnt mit einem Impulsvortrag aus der Kleinstadtforschung. Wie unterschiedlich die Ausgangslagen in Kleinstädten insgesamt sein können, bestätigten anschließend die Praxisbeispiele aus Mittweida (Sachsen), Nottuln (Nordrhein-Westfalen) und der Samtgemeinde Elbtalaue (Niedersachsen). Während Mittweida (Sachsen) mit Bevölkerungsrückgang und Leerständen in der Innenstadt umzugehen hat, steht Nottuln im Umfeld des angespannten Wohnungsmarktes im nahen Münster unter hohem Nachfragedruck. In der Samtgemeinde Elbtalaue wiederum werden leerstehende Gewerbeflächen in der Innenstadt in zentralen Wohnraum umgewandelt. In Markranstädt bei Leipzig wiederum ist man bestrebt, trotz Großstadtnähe die eigene kleinstädtische Identität zu erhalten.

Markranstädt

Markranstädt profitiert im Vergleich zu anderen Kleinstädten von seiner Lage unmittelbar vor den Toren Leipzigs und einer guten Infrastruktur. Gleichzeitig steht die Stadt vor der Aufgabe, den sich verändernden Anforderungen an Wohnraum zu begegnen, ohne ihre kleinstädtische Identität zu verlieren. So schaffen private Bauherren in Markranstädt zwar zunehmend altengerechte Wohnangebote, jedoch weniger Optionen für Familien und junge Erwachsene. Im Fachforum wurde deutlich, dass es dabei nicht allein um die Zahl neuer Wohnungen geht, sondern auch darum, welche Angebote in deren Umfeld entstehen.

Mittweida

Mittweida steht vor Herausforderungen, die viele kleinere Städte abseits der Wachstumsräume kennen: Die Bevölkerungsentwicklung ist rückläufig, in der Innenstadt gibt es Leerstände und die private Bautätigkeit ist begrenzt. Gleichzeitig verfügt die Stadt mit ihrer Hochschule über einen besonderen Standortfaktor. Bislang lebt jedoch nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Studierenden tatsächlich in der Stadt. In der Stadtentwicklung setzt Mittweida deshalb konsequent auf die vorhandenen Strukturen. Statt neue Einfamilienhausgebiete am Stadtrand auszuweisen, sollen bestehende Quartiere und insbesondere der Stadtkern gestärkt werden. Wohnungsbestände wurden in der Vergangenheit teilweise zurückgebaut. Gleichzeitig erprobt die Stadt temporäre Zwischennutzungen, um Leerständen neue Funktionen zu geben und die Innenstadt zu beleben.

Nottuln

Durch die Nähe zu Münster ist die Nachfrage nach Wohnraum in Nottuln hoch. Die Gemeinde setzt deshalb auf unterschiedliche Instrumente, um die Entwicklung nicht allein dem Markt zu überlassen. Dazu gehören Konzeptvergaben, bei denen Grundstücke nicht ausschließlich nach dem höchsten Kaufpreis vergeben werden. Stattdessen können auch Kriterien wie Wohnqualität, Nutzungsmischung oder städtebauliche Qualität stärker berücksichtigt werden. Reine Einfamilienhausgebiete sollen dabei nicht entstehen. Nottuln setzt auf gemischte Strukturen und unterschiedliche Wohnformen. Auch das Azubi-Wohnen hat sich als wichtiger Standortfaktor bewiesen – sowohl für junge Menschen als auch für Unternehmen, die Fachkräfte gewinnen möchten.

Samtgemeinde Elbtalaue

Die Samtgemeinde Elbtalaue ist insbesondere durch den demografischen Wandel und Leerstände gefordert. Ein Schwerpunkt liegt hier vor Ort deshalb auf neuen Nutzungskonzepten für bestehende Gebäude und Flächen. Dazu gehört auch die Umwandlung bisheriger Gewerbeflächen in zentralen Wohnraum. Zugleich sollen im neuen Quartier „Nebenstedt Ost“ unterschiedliche Wohnformen mit einer Kita, einem Quartiersplatz, Grünflächen und einer neuen Erschließung verbunden werden. Ziel ist es, zeitgemäße Wohnangebote zu schaffen und dabei unterschiedliche Bedürfnisse in den Blick zu nehmen.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es keine einheitliche Strategie für kleinstädtisches Wohnen geben kann. Gefragt sind Lösungen, die zum jeweiligen Wohnungsmarkt, zur vorhandenen Infrastruktur und zur Entwicklungsperspektive einer Stadt passen. Dabei spielen auch politische Entscheidungsprozesse eine wichtige Rolle: Die frühzeitige Einbeziehung der kommunalen Politik und eine nachvollziehbare Vermittlung neuer Wohnformen können entscheidend für die Umsetzung sein.

Das Fachforum wurde von der Kleinstadt Akademie gemeinsam mit dem ARL-Arbeitskreis „Wohnen in Kleinstädten“ und der Fachstelle für integrierte Gemeindeentwicklung (FS INGE) Sachsen organisiert. Im Mittelpunkt stand der Erfahrungsaustausch darüber, welche Instrumente Kleinstädte bereits nutzen und welche Rahmenbedingungen sie für eine aktive Gestaltung ihrer Wohnungsmärkte benötigen.

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